Die Ausstellung Bodderlicker, sett di! – Schmetterling, komm in meinen Garten! richtet sich vor allem an Menschen in Neukloster und Umgebung. Welche Pflanzen brauchen wir in unserer Region in den Gärten, Parks und Wiesen, um die Tagfalterarten zu unterstützen, die hier noch vorkommen oder bis vor einigen Jahrzehnten vorkamen?
Im Vorfeld der Ausstellung waren daher zwei Fragen zu beantworten:
- Welche Arten von Tagfaltern können wir in unserer Region erwarten?
- Welche Pflanzen brauchen diese Falter als Futterpflanzen (Nektarpflanzen und Raupenfutterpflanzen)?
Tagfalter
Die erste Frage beantwortet am besten und umfassendsten der Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands (VA)1, welcher im Jahr 2020 erschien. Darin haben die Autoren umfangreiche Daten zum derzeitigen und früheren Vorkommen der Tagfalterarten zusammengefasst und visualisiert. Dieser Datenschatz wurde von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden, von Naturschutzverbänden und -behörden sowie wissenschaftlichen Einrichtungen unter anderem im Rahmen des Projektes Tagfalter Monitoring Deutschland (TMD)2 zusammengetragen.
Wir haben die VA-Daten softwaregestützt analysiert und daraus abgeleitet, dass im Amtsbereich Neukloster-Warin – genauer im Bereich der Topographischen Karte (TK25) Nummer 2536 – 41 Tagfalterarten vorkommen und vorkamen (sechs dieser Arten wurden seit 2001 leider nicht mehr gesichtet). Aufgrund neuerer Beobachtungen von Udo Steinhäuser vom LUNG M-V, sowie einer eigenen Sichtung in unserem Garten ergänzten wir die Liste um vier weitere Arten. Wollen wir diese potentiell 45 Arten von Tagfaltern wieder und vermehrt in unsere Region locken und hier beheimaten? Welche Pflanzen müssen wir dann in unsere Gärten und an geeignete Plätze in Stadt und Dorf pflanzen?
Futterpflanzen
Antworten auf diese Frage stehen beispielsweise in der Schmetterlingsdatenbank LEPIDAT3 des BfN. Diese Datenbank wurde in den 1990er Jahren entwickelt. Die Datenbank selbst ist offline, aber auf die LEPIDAT-Daten kann über das BfN-Portal FloraWeb4 zugegriffen werden. Mittels Web Scraping haben wir 16.415 Datensätze zu Schmetterlingspflanzen ausgelesen. Diese 16.415 FloraWeb-Datensätze wurden ergänzt durch die Beobachtungen von A. Richert & O. Brauner, dokumentiert in einem Artikel in den Märkischen Entomologischen Nachrichten5, außerdem um einige eigene sowie Beobachtungen von Udo Steinhäuser, schmetterlingsexperte beim LUNG M-V. Aus der resultierenden Tabelle wurden schließlich 1.133 Datensätze extrahiert, in welchen die 45 Tagfalterarten unserer Region vorkommen.
Die 1.134 Datensätze unserer Datenbasis enthalten 423 Pflanzenarten, von denen 39 in FloraWeb als unspezifizierte Arten einer Gattung erfasst wurden (Bezeichnung: Gattungsname + spec.). Diese unspezifizierten Arten werden hier vereinfachend wie spezifizierte Pflanzenarten behandelt.
Unter den 423 Pflanzenarten sind 200 Nektarpflanzen und 284 Raupenfutterpflanzen für die betrachteten 45 Schmetterlinge. Aus diesen Pflanzenarten wurden 29 Pflanzen ausgewählt, welche besonders vielen der 45 Tagfalterarten als Nahrungsquelle dienen – die lokale Hitliste der Schmetterlingspflanzen.
Diese 29 Pflanzen wurden zusammen mit den sie ernährenden Tagfaltern auf Aquarellen dargestellt. Bei einigen Pflanzen wurden Tagfalter abgebildet, denen nicht genau diese Pflanzenart, aber ähnliche oder artverwandte Pflanzen als Nektarspender oder Raupenfutter dienen. Insgesamt wurden damit 89 Pflanzenarten berücksichtigt.
Außerdem wurden auf den Aquarellen alle der 45 Tagfalter dargestellt, welchen diese 29 Pflanzen, manchmal zusammen mit ähnlichen oder artverwandten Pflanzen (insgesamt 89 Pflanzenarten), als Nektarspender oder Raupenfutter dienen. Tabelle 1 zeigt, wie viele dieser 29 oder 89 beziehungsweise 423 Pflanzenarten welchen Tagfaltern Nektar oder Raupenfutter bieten.

Tabelle 1: Anzahl der Falterarten, die von den 29, 89 bzw. allen 423 Pflanzenarten ernährt werden
Umgekehrt zeigt Tabelle 2, wie viele adulte Falter oder Raupen sich von jeder der auf den 29 Aquarellen abgebildeten Pflanzen (also 89 Arten) ernähren.

Tabelle 2: Anzahl der Falterarten, denen die 89 Pflanzenarten Nahrung bieten
Datenanalyse
Die Erfassung und Auswertung der Daten wurde im wesentlichen mit Python und Pandas sowie Microsoft Excel durchgeführt. Für die softwaregestützte Auswertung von Webseiten, PDF-Dokumenten und Bildern wurden geeignete Python-Module genutzt. Mit den erfassten Daten und erstellten Programmen ist es möglich, mit geringem Aufwand weitere Auswertungen durchzuführen – beispielsweise kann so für andere Regionen analysiert werden, mit welchen Pflanzen die dort vorkommenden Tagfalter angelockt, beheimatet und unterstützt werden können.
- Rolf Reinhardt, Alexander Harpke, Steffen Caspari, Matthias Dolek, Elisabeth Kühn, Martin Musche, Robert Trusch, Martin Wiemers, Josef Settele: Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands, Verlag Eugen Ulmer, 2020 ↩︎
- Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) ↩︎
- Peter Pletscher und Peter Kleifges: Die Schmetterlingsdatenbank LEPIDAT des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): Grundlage für die Erstellung der Roten Liste gefährdeter Großschmetterlinge Deutschlands, BfN, 2000 ↩︎
- FloraWeb – Daten und Informationen zu Wildpflanzen Deutschlands ↩︎
- A. Richert & O. Brauner: Nektarpflanzen und andere Nahrungsquellen sowie Raupennahrungspflanzen der Tagfalter von Brandenburg und Berlin, Märkische Entomologische Nachrichten, 2018 ↩︎